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DER HYDRAULISCHE WIDDER IN ZSCHETZSCH DIE SELBSTÄNDIGE WASSERPUMPE OHNE MOTOR
Seit Jahrhunderten befasst sich der Mensch mit der Verbesserung der Wasserversorgung in den Siedlungsgebieten. Sie ist eine der wichtigen Voraussetzungen zur ständigen Weiterentwicklung der Lebensqualität. Aus den zurückliegenden Jahrhunderten ist eine Art selbständige Wasserpumpe bekannt, die zur Wasserversorgung in den Dörfern, u.a. in ZSCHETZSCH, genutzt wurde. Sie wird als HYDRAULISCHER WIDDER bezeichnet. In Zschetzsch wurde der Widder genutzt, um das ihm zufließende Wasser aus einem tiefen Wiesengrund auf einem Hügel oberhalb der Ortslage zu fördern. Von dort wurden dann die Bauernhöfe in einer fallenden Leitung mit dem köstlichen Nass versorgt.
ENTSTEHUNG DES WIDDERS
Joseph-Michel Montgolfier, einer der beiden Erfinder des Warmluftballons, ist auch der Erfinder des hydraulischen Widders. Auch der eigenartige Name stammt von ihm. In der Patentbeschreibung von 1796 schrieb er, dass "beim plötzlichen Schließen eines Ventils eine Kraft wie vom Stoß eines Widders" entstehe. Der französische Name "belier hydraulique" wurde wörtlich in die deutsche Sprache übersetzt.
ANWENDUNG
Der hydraulische Widder kann überall eingesetzt werden, wo eine Stauhöhe oder eine Wasserspiegeldifferenz von mindestens 1,5 m besteht und wo man nur einen Teil des vorhandenen Wassers in einer höheren Ortslage braucht. Diese Voraussetzungen sind z.B. bei kleineren Ansiedlungen im Bergland gegeben, wo Quellwasser an tiefer gelegenen Talrändern zur Verfügung steht. Auch aus einem angestauten Bach kann der hydraulische Widder einen Teil des Wassers z.B. zur Feldbewässerung in größere Höhe oder Entfernung leiten. Bei sorgfältiger Abstimmung aller Randbedingungen können Förderhöhen bis zu 300 m erreicht werden, Die Fördermenge ist stark vom Wasserangebot abhängig. Sie schwankt zwischen 2 und 700 Litern pro Minute. Viele Widderanlagen arbeiten schon seit mehr als 50 Jahren ohne Unterbrechung, Tag und Nacht, Sommer wie Winter, ohne Energiekosten und fast ohne Wartung oder Instandhaltungskosten. Die meisten Widderanlagen sind in den Entwicklungsländern in Betrieb, in Deutschland und Europa ist der Einsatz rückläufig.
WIRKUNGSWEISE
Der Widder nutzt die Kraft des Gefälles einer Wasserströmung aus, um einen kleinen Teil des durchfließenden Wassers (ca.30%) mit Hilfe von zwei Ventilen (Sperr- und Steigventil) und einem Windkessel stoßweise in einem Steigrohr in die Höhe zu drücken. Je stärker der Druck des durchfließenden Wassers, um so größer die gehobene Wassermenge bzw. um so höher läßt sich das Wasser heben.
VOLKSMUND
Da das Schließen des Sperrventils ein deutlich hörbares Schlagen "Blobb" verursacht, kann man das Arbeiten eines Widders, der in einem gemauerten Schacht steht, von weitem vernehmen. Dieses Geräusch erinnert an einen Schuhmacher, der Nägel in den Schuh einschlägt. Der arbeitende Widder wird darum im Volksmund auch als "emsiger Schuster" bezeichnet.
DER WIDDER IN ZSCHETZSCH
Bereits 1904 schlossen sich acht bäuerliche Betriebe des Ortes zu einer Wassergenossenschaft zusammen und ließen durch geschickte Handwerker der Umgebung einen hydraulischen Widder aufbauen. 1955 erfolgte eine vollständige Rekonstruktion der Wasserhebemaschine. Mit einer Leistung von ungefähr 6 Litern in der Sekunde oder 50 Kubikmeter pro Tag förderte er das Wasser in einen Behälter mit 35 Kubikmeter Fassungsvermögen oberhalb des Ortes.
Viele Jahre besorgte Herr WILLY HOPPE im Auftrage der Wassergenossenschaft die Wartungsarbeiten an der Anlage. Nach ihm umsorgt Herr ROLF KELLER die historische Anlage. Der Widder wurde im Jahre 2003 restauriert und kann in seiner emsigen Tätigkeit bewundert werden.
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